Ein typischer Morgen im Lk- Latein



Die Tür des gelben Zimmers öffnet sich.........
Niemand zu sehen.
Doch halt:

Tief in die Sofas versunken
liegen die proficientes
müde und völlig schlaftrunken.
Niemand muss deren Schicksal teilen,
sondern kann gemütlich im Bettchen verweilen.
Sie sehen den Lehrer heraneilen,
er sieht:
Sie hängen in den Seilen.

"Ja, was denn" ertönt es, und auch ein ermunterndes "auf,auf" von Magister Flosculus ist kein wirklicher Grund, sich zu erheben. Erst nach schwacher Erinnerung an die fast vergessene "pietas", die sie am frühen Morgen schon aus dem Bett in die Schule getrieben hatte, stehen die proficientes langsam , unter lautem Ächzen und Stöhnen auf.
Langsam schlurfenden Schrittes trottet der Haufen ins Klassenzimmer: Dort wartet schon der Lehrer, beflügelt von der "cupiditas", endlich anzufangen. Während alle langsam ihre Plätze suchen, teilt er schon die zahlreichen Kopien aus, die wie immer daran schuld sind, dass er mit einer viertel Stunde Verspätung zum Unterricht eintrifft:

Während K.B. verträumt aus dem Fenster schaut und dabei ihre Quadrate aufs Blatt malt, sorgt M.C. für die Verminderung seines SmS- Guthabens und M.P. packt seine Mathe- Hausaufgaben aus.
Der Leistungskurs dagegen ergeht sich in philosophischen Diskussionen über die Liebschaften Ovids, die Wehleidigkeit Ciceros und die Ethik Senecas.
Magister Flosculus begeistert sich besonders für seine stundenlangen Monologe. Die dabei herrschende Konzentration wird allerdings regelmäßig von V. Sch.&lsquo:s Kampf-Nieser unterbrochen. Nur sehr ungern lässt sich unser Magister vom Pausengong aus seinen geistigen Höhenflügen reißen.

Der Latein-LK 2000/2002 von Herr Blum



© Kathrin Belzer, 2002