Englisch LK

Felsmann


Im Sommer 2000 startete die alljährliche, zwei Jahre andauernde Gauss Regatta. Frohen Mutes begaben sich die damals XX Teilnehmer zum Starthafen. Dort wurde die Einteilung der Segeljachten festgelegt. 16 Pechvögel mussten das schwere Los antreten, auf einem völlig heruntergekommenen Kahn in See zu stechen. Kapitän war der alte, bärtige Rainer F., der sehr auf die Einhaltung seiner Regeln erpicht war. Die Crew, für die vor allem Spaß im Vordergrund stand, wollte aber eigentlich nur mit minimalstem Aufwand den Zielhafen erreichen, und den heftigen Stürmen aus dem Weg gehen. Doch weit gefehlt. Der Kapitän gab den Kurs vor und schipperte den Kahn in jede Turbulenz die am Horizont zu erkennen war. Durch diese Manöver war es nur eine Frage der Zeit bis die Besatzung dezimiert werden würde. Und so kam es dann auch. Im zweiten Viertel des Turns wurden gleich vier Besatzungsmitglieder von einer Flutwelle erfasst und über Bord gerissen. Zugegebenermaßen waren diese Mitglieder auch keine große Hilfe im Vorhaben den Hafen zu erreichen gewesen. Sie aalten sich lediglich den ganzen Tag an Deck in der Sonne. Dies mahnte auch der Kapitän an und drohte sie eigenmächtig über Bord zu schmeißen. Das wurde ihm aber dann abgenommen. Wie man später erfuhr wurden die Überbordgegangenen, die von der restlichen Crew nicht mehr gefunden werden konnten, ein Jahr später von einer anderen Jacht der nächsten Gauss Regatta aufgenommen und vermutlich sicher ins Ziel gebracht. Bis auf einen: Peter B. „ertrank“ im „kühlen Nass“. Doch das waren nicht die einzigen Abgänge, die die tapfere Crew zu vermelden hatte. Marcel L. musste auf tragische Weise das Boot verlassen. Er hing noch mitgenommen vom letzten Sturm über der Reling, als er, ich sag einmal von einem ungewollten Missgeschick des Kapitäns, über Bord befördert wurde. Dieser ließ das Segel aus seinen Händen gleiten, welches Marcel L. den entscheidenden Stoß versetzte. Zu elft ging es also auf zum letzten Teil der Regatta. Nach einer relativ ruhigen Zeit jedoch wollte es Rainer F. noch einmal wissen. Die Zeit war ihm war ihm wohl doch etwas zu ruhig gewesen. Er steuerte das Boot direkt in einen Hurrikane, der das Boot nur mit mageren 4,8 Knoten vorwärts kommen ließ. Fast alle Crewmitglieder hatten zu kämpfen sich auf dem Kahn zu halten. Der Großteil der Besatzung war einer Meuterei nahe, bekam jedoch mit, dass Rainer F. ständig in Kontakt mit Dr. Walter W. stand, der die genaue Position des Kahns kannte, und eine Meuterei im Keim erstickt hätte. So dachte die Mannschaft noch sicher im Hafen anzukommen und dann von Kahn und Kapitän das Weite zu suchen. Wird die schlechteste Platzierung aller Zeiten, mit der die Mannschaft später sicherlich als Triem-Tiem 4,8 in die Geschichte eingehen wird, Rainer F. eine Lehre sein, in den nächsten Jahren einen anderen Kurs einzuschlagen? Schwer zu sagen, allerdings wird es in Fachkreisen als eher unwahrscheinlich angesehen.

Foto des Englisch-LK Felsmann



© Florian Backfisch, 2002